Wenn man das Marketing zu „The Bluff“ verfolgt hat, erwartete man ein episches Piraten-Abenteuer, vielleicht sogar ein dreckigeres Fluch der Karibik. Doch wer mit dieser Erwartung in sein Amazon Prime Video Konto geht, wird schnell feststellen: Der Titel „The Bluff“ (der Bluff / die Täuschung) ist hier leider Programm.
Der größte Kritikpunkt vorab: „The Bluff“ ist im Kern gar kein Piratenfilm. Zwar spielt die Handlung in der Karibik des 19. Jahrhunderts, und ja, es gibt Freibeuter, aber das Genre wird hier lediglich als dünne Kulisse für einen Standard-Action-Survival-Thriller genutzt.
Anstatt opulenter Seeschlachten, mystischer Legenden oder der komplexen Freiheit des Piratenlebens, bekommen wir eine klassische „Belagerungs-Story“. Es geht weniger um das Segeln unter der schwarzen Flagge als vielmehr um den verzweifelten Kampf einer Frau (Priyanka Chopra Jonas), die ihre Familie gegen Eindringlinge verteidigt. Wer echtes „Piraten-Feeling“ sucht, wird hier enttäuscht. Das historische Setting wirkt austauschbar – die Geschichte hätte genauso gut in der Gegenwart als Home-Invasion-Thriller in den Suburbs funktionieren können.
Karl Urban: Der Anker des Films
Trotz der inhaltlichen Schwächen gibt es einen Grund, dranzubleiben: Karl Urban. Der Mann hat einfach eine Leinwandpräsenz, die jeden noch so mittelmäßigen Film aufwertet. Als Gegenspieler bringt er eine raue, bedrohliche Intensität mit, die man ihm in jeder Sekunde abnimmt. Urban spielt nicht einfach einen Bösewicht; er verkörpert eine archaische Gewalt, die dem Film die nötige Gravitas verleiht. Ohne seine schauspielerische Leistung und sein markantes Charisma würde der Film emotional völlig flach bleiben. Mein kleiner gedanklicher Ausflug: Wie wäre es mit Karl Urban als neuer Schuft in einem weiteren Fluch der Karibik-Film?
Simpel, simpler, „The Bluff“
Technisch und erzählerisch bleibt das Werk leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Machart ist auffallend simpel. Die Inszenierung wirkt oft wie eine hochwertige TV-Produktion und lässt das visuelle Feingefühl vermissen, das man von einem großen Kinofilm erwartet. Die Handlung folgt strengen Genre-Konventionen ohne jegliche Überraschung. Abseits der Hauptfiguren bleiben die Beteiligten blasse Statisten. Selbst Temuera Morrison, den Star Wars-Fans aus „The Book of Boba Fett“ kennen, bleibt hinter den Erwartungen. Die Kämpfe sind solide zwar choreografiert, aber völlig hektisch geschnitten. Es fehlt zudem das „Besondere“, das einen modernen Actionfilm aus der Masse hervorhebt.
Somit ist The Bluff ein Actionfilm unter vielen, der nicht heraussticht und auch keine Lust auf Wiederholung macht.

